Lenz

Zum Stück
1. Es war einmal ein junger Mann, der hörte auf den Namen LENZ – der verlief sich in der Welt. Er kam vorerst nicht heraus. Und wurde wütend. Und traurig. Und hatte Lust, alles auf den Kopf zu stellen. Nicht jemand anderer wollte er werden, da er noch nicht begriff, wer er selber sein sollte...

2. Lenz geht ins Gebirg. Dazu hat Lenz Lenz mitgenommen, ihm aber das Reden verboten und statt dessen ein Instrument in die Hand gedrückt. So versucht er es mit sich selber auszuhalten, zur Ruhe zu kommen. Lenz begegnet dabei immer wieder Lenz. Er tanzt singt, schreit sich an, bis er sich irgendwo verliert. Später am Abend geht er weiter, Lenz im Gepäck – auf der Suche nach einem anderen Ort...
(...) Georg Büchner (1813-1837) beschreibt in seiner Novelle einmal mehr den Menschen als eine offene Wunde, als einen seltsam dastehenden Riss in der Welt.
Vorbild der Bühnenfigur ist der Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792), vor allem dessen Aufenthalt im Steintal im Februar 1778. Büchner legt diesen Lenz auf den Objektträger eines Vergrößerungsapparats und zeigt uns einen Kosmos, in dem ein Mensch eine Frage hin und her bewegt. Lenz – das Abbild eines Menschen, der sich in den Möglichkeiten des Daseins verwirrt, auf der Suche nach "Möglichkeit des Daseins", der sich an nichts halten kann, weil er nicht Ruhen kann – nicht in Gott, nicht in der Kunst, nicht in der Liebe. Er geht an der ewigen Rotation kaputt, stumpft sich die Auswüchse des Daseins ab – und lebt dahin.


Presse
Offene Wunden intensiv geleckt
von Barbara Haas(...) Er reißt sich Wunden auf und grinst, den beißenden Schmerz mit einem Schuß Zynismus noch beißender zu machen. Ein Karussell, das Lenz (Daniel Doujenis) mit trostloser Hingabe immer neu anzukurbeln sucht. Und es dreht sich, wie befohlen.
Das ewige Spiel von Liebe und Entzug, der Möglichkeit und dem Scheitern macht den Monolog zum Zwiegespräch. Und so bestimmt ein musikalisch grandioser Beobachter (Janko Hanushevsky, E-Bass) die Geschwindigkeit, in der sich Lenz drehen muß. Eine Drehung hin zu Gott und wieder weg.
20.05.2001, Kleine Zeitung

Hosenrollen und Traumspagate
Von Beate Fragele
Im kurzen Mantel und offenem Hemd, eine halb leere Weinflasche in der Hand, mit äußerster Präzision von Sprache und Gestik schreitet Daniel Doujenis den Bogen von ersehnter Ruhe zum aufflackernden Wahnsinn aus – ein ungestümes Genie, angstgeschüttelt und prometheisch.
Büchners Novelle wird nicht dramatisiert, sondern durch das Innere des Protagonisten hindurch erzählt. Als zynischen Doppelgänger hat Regisseur Martin Schulze Lenz den E-Bassisten Janko Hanushevsky zur Seite gestellt – zwei unangepaßte Gestalten, zum Schluß wieder eingesperrt in die Welt der Buchstaben.
22.05.2201, Der Standard